Wann hat man schon mal die Gelegenheit, gleich vier Parlamentarier auf einen Schlag zu begrüßen? Auf ihrer gemeinsamen Wahlkreistour durch den Thüringer Südosten machten die CDU-Bundestagsmitglieder aus dem Freistaat am Dienstag am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung in Rudolstadt Station. Mit Institutsdirektor Benjamin Redlingshöfer gab es dabei zahlreiche Themen zu erörtern – von den aktuellen Rahmenbedingungen der Forschungsförderung bis hin zu den Herausforderungen und Potenzialen der Defense-Industrie.
Rudolstadt – Äußerst konstruktiv und in einer vertraulichen Atmosphäre verlief der Austausch des TITK-Chefs mit Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, David Gregosz, Mitglied im Innenausschuss sowie im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union, Michael Hose, Mitglied im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Ausschuss für Kultur und Medien, sowie Diana Herbstreuth, Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Benjamin Redlingshöfer dankte den Abgeordneten der Regierungskoalition für die Neuregelung beim Besserstellungsverbot: „Dieses bindet seit 2021 signifikante Ressourcen in den wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen, welche wir sehr viel lieber in Innovation investieren möchten“, so der TITK-Chef. Laut Besserstellungsverbot dürfen Institutionen, die Zuwendungen empfangen, ihre Beschäftigten grundsätzlich nicht besser entlohnen als vergleichbare Arbeitnehmer des Bundes. Im Januar brachte das Kabinett nun eine Flexibilisierung auf den Weg: Es beschloss eine Novellierung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes, wodurch projektgeförderte, gemeinnützige Forschungseinrichtungen nun mit anderen Einrichtungen gleichgestellt werden. „Daraus resultiert schlussendlich eine Gleichbehandlung der wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen, wie denen des Forschungs- und Technologieverbundes Thüringen (FTVT), mit den außeruniversitären Forschungsverbünden Fraunhofer, Leibniz, Helmholtz und Max Planck“, zeigt sich Redlingshöfer zufrieden.
„Die wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen im Freistaat stellen die transferstärksten Institutionen in Deutschland“, betont er. Durch die fehlende Grundfinanzierung würden sie quasi zum Erfolg gezwungen: „Sie müssen bei der Projektbeantragung erfolgreich sein, brauchen aber neben öffentlicher Förderung zwingend auch die Kofinanzierung durch die Industrie.“ Dass man folglich gar nicht anders kann, als an den richtigen Themen mit Marktrelevanz und hoher Ergebnisorientierung zu forschen, sieht der TITK-Chef als wertvolles Regulativ an. Es brauche aber gerade deswegen verlässliche Rahmenbedingungen – sprich: Kontinuität in der Projektförderung sowie einen haushaltsgesicherten Ausgleich der Budgets bei Inflations- und Gehaltskosten. „Sonst leidet darunter letztlich die Innovationsdynamik gerade der kleinen und mittleren Unternehmen.“ Auch die steuerliche Forschungsförderung sprach Redlingshöfer an und machte konkrete Vorschläge, wie dieses Instrument in Ergänzung zur Projektförderung noch zielgerichteter helfen kann.
Bei Sicherheit und Verteidigung ein Wörtchen mitreden
Ausgetauscht wurde sich zudem beispielsweise über die positive Entwicklung der Deutschen Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse, die vor mehr als zehn Jahren auch aus Rudolstadt mitinitiiert worden war. Als eines von inzwischen mehr als 80 unter diesem Dach vereinten Forschungseinrichtungen – aber nicht als einziges - will das TITK auch beim hochaktuellen Thema der Sicherheit und Verteidigung ein Wörtchen mitreden. Redlingshöfer sieht die mittelständisch aufgestellten Institute hier geradezu prädestiniert, um „kleine und mittlere Stückzahlen mit hoher Komplexität“ zu realisieren. Dabei gelte es aber, die zur Verfügung stehenden Mittel so einzusetzen, dass aus Forschungsvorhaben im Defense-Bereich auch ein ziviler Nutzen abgeleitet werden kann. „Gleichzeitig ist es dringend geboten, die Beschaffungswege deutlich zu entschlacken und zu entbürokratisieren. Sonst ist eine effiziente Mittelverwendung gefährdet und eine Teilhabe neuer Player und kleiner mittelständischer Betriebe wird erschwert.“
Forschung und Unternehmen brauchen Planungssicherheit
MdB Diana Herbstreuth, von 2001 bis 2025 Bundeswehrangehörige, konnte hier nur zustimmen: „Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, angespannter Haushaltslagen und großer Transformationsprozesse brauchen Forschung und Unternehmen vor allem Planungssicherheit.“ Institute wie das TITK müssten die nötigen Freiräume und Unterstützung erhalten, um Zukunftstechnologien zur Marktreife zu bringen, so Herbstreuth.
Bei einem Rundgang durch verschiedene Technika informierten sich die Abgeordneten abschließend hautnah über aktuelle Forschungsprojekte des Instituts und sahen unter anderem beim roboter- und lasergestützten Tapelegen eine echte Cutting-Edge-Technologie. So konstatierte Diana Herbstreuth zur Verabschiedung sichtlich erfreut: „Mich beeindruckt besonders, mit welcher Praxisnähe und Innovationskraft hier in Rudolstadt gearbeitet wird. Das TITK steht beispielhaft für das, was Thüringen auszeichnet: starke Forschung, unternehmerisches Denken und der Wille, Lösungen nicht nur zu entwickeln, sondern auch in die Anwendung zu bringen.“




