Modifikation
und Verformung von Proteinen
Proteine als native Polymere werden im TITK e.V. genutzt,
um durch Verformung zu Fasern, Folien oder Formkörpern neuartige,
biologisch abbaubare Werkstoffe auf alternativer Rohstoffbasis zu
generieren. Dabei können in Abhängigkeit der verwendeten Proteine
sowohl Nassspinn- als auch Schmelzspinnverfahren zum Einsatz kommen.
Für ein Nassspinnverfahren werden zunächst konzentrierte,
viskose Lösungen der Proteine in geeigneten Lösungsmitteln hergestellt,
die den Anforderungen eines Spinnverfahrens genügen. Umfassende
Charakterisierung der Lösungen erfolgt durch Bestimmung rheologischer
Parameter. Die Proteine werden dann nach dem Verformungsprozess
durch Behandlung in einem Fällbad regeneriert.
Für ein Schmelzspinnverfahren ist es notwendig,
dass sich das Material thermoplastisch durch Schmelzen verformen
lässt. Proteine lassen sich jedoch zumeist nicht aufschmelzen, sind
zudem bei höheren Temperaturen thermisch instabil. Hier besteht
die Aufgabe darin, durch chemische und/ oder physikalische Modifikation
der Proteine das thermische Verhalten günstig zu beeinflussen, so
dass eine Verarbeitung, z.B. im Extruder, ermöglicht wird. Zur Analytik
der Proteinderivate werden DSC- und TGA-Methoden sowie Elementar-analyse
und IR-Spektroskopie herangezogen.
Im Anschluss an die Verarbeitung erfolgt eine
Analyse der hergestellten Fasern bzw. Formkörper aus Proteinen hinsichtlich
ihrer textilphysikalischen bzw. mechanischen Eigenschaften wie z.B.
Faserfeinheit, Festigkeit und Dehnung.
Für die Untersuchungen zur Modifikation und/oder
Verformung von Proteinen werden verschiedenartige Materialien verwendet:
pflanzliche Proteine wie Weizengluten, Maiszein, Sojaprotein oder
Erbsenprotein und Proteine aus tierischen Quellen wie Seidenfibroin,
Kollagen oder Gelatine. Produkte aus den entsprechenden Materialien
finden Einsatz z.B. als Konstruktionswerkstoffe, im Verpackungssektor,
als Agrarprodukte und im medizinischen Bereich wie Tissue Engineering.
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